WENN DAS KULTURMODELL DER ANWENDUNG VON AYAHUASCA VERÄNDERT WIRD. Worin unterscheidet sich die Einnahme von Ayahuasca nach traditionellem einheimischem Stil mit der Einnahme in Verbindung mit einer psychotherapeutischen Integration?

DIE PSYCHOTHERAPEUTISCHE INTEGRATION…

Eine zufällige Erfindung, die wunderbar funktioniert und sowohl einen Trend als auch eine internationale Schule hervorgebracht hat.

Den Ansatz der psychotherapeutischen Integration habe ich viele Jahre ausgeübt, ohne zu wissen, dass es so heißt und ich wusste nicht einmal, dass es sich um einen Ansatz handelt. Nachdem ich vor 15 Jahren mit dieser Praxis begonnen habe, die von vielen praktiziert wird und nachdem mehr als 20.000 Menschen diese Arbeit erfahren haben, fühle ich mich in der Lage, Details und Geheimnisse darüber preiszugeben, wie sie entstanden ist und wie sie sich entwickelt hat..

Zuerst entstand die Art und Weise der Ausführung, danach erst der Name. Man sagt, dass große Erfindungen durch Zufall oder auch fehlerbedingt entstanden sind, ohne dass die Entdeckung geplant gewesen sei. Dies ist der Fall bei der PSYCHOTHERAPEUTISCHEN INTEGRATION, eine “Serendipität”, was bedeutet: etwas vom Glück Begünstigtes und Unerwartetes zu entdecken, das wesentlich besser ist, als das, was man gesucht hat.

Ich befand mich in einer äußerst komplexen Situation, sowohl mir selbst als auch anderen Menschen gegenüber. Nachdem ich in Bogota, Kolumbien zum ersten Mal Ayahuasca mit einem Schamanen eingenommen hatte, wurde mir klar, dass sich vieles in mir bewegt hatte: Gedanken, Gefühle, Erinnerungen an die Vergangenheit, Visionen von unangenehmen Momenten meines derzeitigen Lebens, Visionen von Farben und Formen, die ich noch nie gesehen hatte, etc…Am nächsten Morgen nach einem etwa 3-stündigen Schlaf befand ich mich offensichtlich in einem Zustand von tiefer Reflexion. Die Leute dort grüßten sich, sie schauten sich an und sprachen wenig, aber man konnte ihnen allen sehr gut ansehen, dass es ihnen gut ging. Sie waren wie neugeboren oder zumindest, als hätten sie 12 Stunden durchgeschlafen. Als ich ins Hotel zurückkehrte, in dem ich mich aufhielt, sprach ich mit der Psychologin, die mich begleitete. Es war unvermeidlich, ihr zu erzählen was ich erfahren hatte. Es schien mir natürlich, dass ich Zweifel über das hatte, was ich gesehen und gefühlt habe. Ich fragte sie einige Dinge und sie half mir deutlich auf die Sprünge, meinen Prozess zu verstehen. Es waren 2 Stunden vergangen, bis ich im Hotel ankam und in diesem Moment dachte ich, dass es ideal gewesen wäre, wenn wir alle die Erfahrung jedes Einzelnen miteinander geteilt hätten. Nach dem ich verschiedene Male mit kolumbianischen Schamanen Ayahuasca genommen hatte, nahm ich einige Monate später an weiteren Zeremonien von Camino Rojo in Europa teil, bei denen morgens ein Austausch stattfand und wo jeder kurz über seine Erfahrung sprechen konnte. Jeder Teilnehmer erzählte, wie er sich fühlte bzw. was er verstanden hatte. Aber für mein Gefühl blieb am Ende der Runde eine Art Leere, so als fehlte noch etwas. Möglicherweise eine abschließende Reflexion oder eine Schlussfolgerung bezüglich einer Gemeinsamkeit für die Erfahrung der vergangenen Nacht für diejenigen, die Ayahuasca genommen haben.

Daraufhin begann ich mir eine Art und Weise vorzustellen, wie ein wechselseitiger Austausch durchgeführt werden könnte. Ein Austausch mit einer Rücksprache jedes Teilnehmers, bei dem man Fragen stellen kann und wo auch körperliche und emotionale Dynamiken zum Einsatz kommen, um die Erfahrung zu integrieren. Außerdem auch mit der Möglichkeit einer kurzen Therapie, die sich auf ein bestimmtes Ziel richtet. Ich notierte alles, was die Teilnehmer zu einer guten, einer verinnerlichten, integrierten Reflexion führen würde, um sich über all das, was sich eingenistet hatte vollkommen bewusst zu werden, damit man es im täglichen Leben anwenden konnte. Ein Teil von mir ist extrem pragmatisch. Es begeistert mich, das, was ich begriffen habe in die Praxis umzusetzen.

Mit der therapeutischen Integration habe ich viel früher als mit dem Geben von Ayahuasca begonnen. Diese Arbeit begann ich in Bogota mit der Psychologin, die mich zu meiner ersten Ayahuasca-Einnahme eingeladen hatte. Sie heißt Diana Bernal und mit ihr haben wir einer Arbeitsmethode Form gegeben, die eine vorausgehende Vorbereitung beinhaltete: eine Zeremonie mit einem Taita oder Schamanen des kolumbianischen Dschungels, der in der Nacht Ayahuasca gab und einem Workshop am nächsten Morgen von 3 bis 4 Stunden, wo wir mithilfe eines Enneagrammes sowie körperlicher und emotionaler Dynamik an der Selbsterkenntnis arbeiteten. Die Ergebnisse waren unglaublich. Die Einnahme von Ayahuasca spielte zwar eine wichtige Rolle, jedoch nicht die Hauptrolle. Die Leute erlebten das als ein Zusammenleben in der Gruppe und nicht, als seien sie zu einer Ayahuasca-Einnahme gegangen, sondern eher als etwas von größerem Ausmaß. So begann ich mit eigenen Augen zu sehen, wie wichtig ein ganzheitliches und integrierendes Angebot war, welches sich aus vielen psychotherapeutischen Mitteln und spirituellen Praktiken zusammensetzte. Ich bezog Meditationen von Osho mit ein und auch systemische Bewegungen, Biodanza-, Yoga- und Tantra- Klassen, sowie viele weitere Dinge, die der Methode, die anfangs auf improvisierte Art in der Entstehung war, Sinn und Kraft verliehen.

Als ich diese Arbeit mit verschiedenen Psychologen an verschiedenen Orten durchführte, ließ mich einer von ihnen, Oscar Gómez erkennen, dass ich Ayahuasca mit Psychotherapie vereinte, was bedeutet, eine schamanische Naturmedizin mit einer therapeutischen Methode zusammenzuführen, die vorwiegend auf dem Gebrauch des Wortes basiert. Daraufhin begann ich geduldig all das aufzuschreiben, was ich zu sehen bekam. All das, was bei den Teilnehmern geschah, die Ayahuasca nahmen und was sie danach öffentlich über die Erfahrung mitteilten. Etliche Notizen halfen mir, sehr wertvolle Informationen zu sammeln, um die Gemeinsamkeiten zu beobachten, welche die Teilnehmer zu diesen Retreats mitbrachten.

Óscar Gómez, ein argentinischer Psychologe (Entschuldigung für die Redundanz), schloss sich diesem Projekt in Spanien an. Er arbeitete in einem Therapiezentrum, das von mir geleitet wurde. Dort kamen zahlreiche Leute mit verschiedensten Problemen, Symptomen und Krankheitsbildern vorbei und ich begann die Klienten des Zentrums zu jenen Ayahuasca-Treffen einzuladen. Wir führten die Einnahme in der Nacht durch und am nächsten Morgen machten wir mit ihnen den interaktiven Austausch. Jeder erzählte, was ihm widerfahren war und danach hielten wir mit jedem von ihnen Rücksprache mit dem Ziel, sich über verschiedene Aspekte über sich selbst im Klaren zu werden, die sie nicht sehen konnten. Und genau in diesem Moment kam bei jedem eine entschlossene Haltung zum Vorschein. Sie schätzten Gesten sowie körperliche und emotionale Bewegungen, die den Zustand und die Situation jedes Einzelnen darstellten, nicht nur die von diesem Augenblick, sondern auch die des täglichen Lebens. Es zeigte sich etwas Alltägliches. Jedoch geschah dies außerhalb der täglichen Lebensumstände, dafür aber innerhalb des Raumes der inneren Suche bzw. der psychotherapeutischen Arbeit. Die große Entdeckung dabei war, dass sich alles, egal was wir aus dem Leben mitbringen, auf vielerlei Arten bei einer Ayahuasca-Einnahme zeigt. Dies konnte man dermaßen beobachten, dass es die Tür für den Austausch und die Gemeinsamkeit öffnete.

Eine psychotherapeutische Integration besteht darin, all die Informationen, die durch innere Bewegungen zum Vorschein kommen und die in Bezug auf ein Ereignis, einen Moment oder einen Umstand eintreten, zusammenzufügen, damit sie durch einen bewussten Prozess verstanden werden. Es handelt sich um ein Zusammenführen von Daten und verschiedenen Möglichkeiten, in die eigene Tiefe zu schauen, um eine Art und Weise entwickeln zu können, die Realität frei von Konditionierungen wahrzunehmen. Wenn wir etwas innerlich oder auch äußerlich beobachten, dann tun wir das immer auf subjektive Art und Weise, belastet mit der Identifikation. Schaffen wir es jedoch einen Moment der Objektivität zu erreichen, dann entsteht immer eine konstruktive Reflexion. Diesem Phänomen des Bewusstseins haben wir den Namen ERKENNTNIS gegeben. (Das bedeutet, etwas nicht mit dem Geist zu begreifen, sondern es durch das Gefühl zu erkennen). Genau eine der Bedeutungen des Wortes INTEGRATION ist ERKENNTNIS.

Eines Tages sagte Óscar Gómez zu mir: “Das, was wir hier tun hat einen Vor- und einen Nachnamen: PSYCHOTHERAPEUTISCHE INTEGRATION”. Von da an gaben wir dem Ganzen eine immer professionellere und geordnete Form. Wir achteten auf die Zeit und die Momente, auf die Gegenstände und die Mittel, auf den Raum und die Atmosphäre Das Set und das Setting (den Platz einrichten, pflegen und in Ordnung halten) war für die Begegnungen der Menschen, die gekommen waren, um Ayahuasca zu probieren und um einen Prozess der inneren Erkenntnis zu durchlaufen, von großer Bedeutung.

Das Ergebnis dieses neuen Arbeitsmodells mit Ayahuasca war wesentlich größer, als wir es uns vorgestellt hatten. Der Umstand, dass es bei so vielen Menschen funktionierte, gab uns den Impuls, eine Schule zu gründen, die ein Arbeitsmodell beinhaltete, bei dem sowohl Oscar Gómez als auch ich selbst die Schüler und Lehrlinge überwachen, bis sie sich bei den Retreats, die wir auf der Welt organisieren auf diese Herangehensweise stürzen.

Im Augenblick zählen wir mehr als 20 Integratoren, die bei Ayahuasca International und Inner Mastery ausgebildet sind und Erfahrung haben. Weitere 20 befinden sich in Ausbildung. Wir haben einen philosophischen Berater, der uns in Verständnisfragen, die sich uns stellen berät. Außerdem haben wir eine therapeutische Leiterin mit viel Erfahrung in systemischer Therapie, Isamar Gutierrez. Sie betreut die persönlichen Prozesse jedes Integrators, denn eine unserer grundlegenden Absichten ist die innere Fürsorge jedes Einzelnen der Integratoren. Die unumgängliche Offenheit Therapie zu machen, spiegelt sich in der Qualität der Arbeit, die wir mit anderen machen.

Denjenigen, die das Ayahuasca geben, egal ob Schamanen, Vermittler oder Ayahuasceros unserer Schule bieten wir diesen therapeutischen Service auch an. Außerdem bilden wir sie in allen Aspekten aus, die in Zusammenhang damit stehen, jene Prozesse zu begleiten, wenn diese äußerst kraftvolle Naturmedizin eingenommen wird. Denn auch sie müssen den Weg zu sich selbst nach innen gehen, um in ihrer eigenen Mitte Wurzeln zu schlagen und um den Raum der Transzendenz zu finden, damit sie eine solch heikle Arbeit verwirklichen können, wie sie die Unterstützung für die Teilnehmer bei ihren unbeschreiblichen Reisen durch eigene innere Belange erfordert.

Zur Zeit gibt es viele Gruppierungen und bekannte Persönlichkeiten in der Welt des Ayahuasca, die uns bezüglich dieser ergänzenden Praxis zur Ayahuasca-Einnahme kritisieren. Dafür, dass wir einen neuen Weg eröffnet haben, der parallel zu dem verläuft, den die indianische Tradition vorschlägt. Aber ich bin sicher, dass all die Leute, die eine bestimmte Arbeitsweise mit Ayahuasca verteidigen, früher oder später die großartige Potenzierung verstehen werden, die durch die Zusammenführung von Ayahuasca und verschiedenen psychotherapeutischen Methoden entsteht. Tatsächlich haben wir bereits Schamanen, die uns unterstützen und dieses Projekt begleiten. Ich werde keine Namen nennen, sonst werden sie angegriffen und diffamiert. Es ist weder nötig noch möglich, dass sie ihre Art und Weise ändern. Das würden wir auch nicht wollen. Im Gegenteil, wir unterstützen die Kulturen und Traditionen. In diesen Tagen werden der Enkel des Taita Querubin und ein traditioneller Koch des Yagé aus Südkolumbien in Europa sein, Sie werden Zeremonien nach einheimischem Stil des Stammes der Cofan in unseren Retreats durchführen, denn wir lieben die Traditionen und Kulturen, die es verstanden haben, den Gebrauch der heiligen Pflanze für sich aufrechtzuerhalten und zu verfeinern.

Ich werde nie die Einnahmen von Yagé (Ayahuasca in Kolumbien) mit den Taitas im amazonischen Urwald vergessen, bei denen ich ihre Gesänge, ihre Art, ihre Gewänder, ihren Glauben, ihre Herangehensweise und ihre Liebe für die heilsame Natur unendlich genossen habe.

Eines Tages werde ich in den kolumbianischen Dschungel zurückkehren, um mit den Taitas Yagé einzunehmen. Und warum nicht, um ihnen eine psychotherapeutische Integration anzubieten. Der Westen braucht das Ayahuasca so wie sie Therapie benötigen.

Alberto José Varela

ICH WERDE IN DEN NÄCHSTEN ARTIKELN NOCH WESENTLICH MEHR ÜBER DIE PSYCHOTHERAPEUTISCHE INTEGRATION BERICHTEN.

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DER MENSCH; DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN SEINEM UMFELD UND SEINER ESSENZ, ZWISCHEN SEINER SEELE UND DEN ANDEREN MENSCHEN. Wenn sich das Äußere nach innen richtet und das Innere nach außen, dann entsteht eine Verbindung, die Raum für einen Prozess der inneren Entwicklung schafft.

 

 

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